30.05.-02.06.2013 Rescue-Camp München - Bericht Teil 2

  • Drucken

Rescue-Camp in München vom 30.05. bis 02.06.2013 - Bericht Teil 2

 

Nach einer relativ ruhigen Nacht in den KFZ-Hallen der Bayernkaserne hatten wir doch relativ gut geschlafen als um 7Uhr in der Früh unsere Wecker klingelten. 

Einer nach dem anderen kroch aus dem Schlafsack und auch in den anderen Zelten kam Bewegung in die Sache. Jürgen sprach noch kurz mit seinen Füßen: „Machts gut ihr 2, bis Sonntag dann!“ Nach der morgendlichen Gassirunde sammelten wir uns im Zelt in unserer Ess-Ecke um zu Frühstücken.

Um 10 Uhr machte ich mich auf zum OSOCC um unser Einsatzfunkgerät abzuholen. Jedes Team bekam ein eigenes Funkgerät jedoch sendeten alle auf dem gleichen Kanal. Somit konnte jedes Team hören welches Team alarmiert wurde!! Danach machten wir unser Einsatzgepäck fertig und  bepackten unser Auto mit allem was wir brauchten.

Es war genau 11 Uhr als wir dann den ersten Funkspruch überhaupt absetzten! 

„OSOCC an Team 13, kommen“

„OSOCC hört“

„Team 13 meldet Einsatzbereitschaft, Ende!“ 

 

Funkgeräte funktionierten also und jetzt hieß es warten, warten,  warten …..

Team 4, Team 1, Team 8, Team ….. rückten aus.

Um 12.15Uhr wurden dann auch wir alarmiert. Ich sprang in meine Klamotten und machte mich mit erhöhtem Blutdruck und Funkgerät in der Hand im Laufschritt auf zum OSOCC während Jürgen, Melly und Maria die Hunde in die Fahrzeugbox steckten! Im OSOCC gab ich das Funkgerät ab und bekam einen Laufzettel mit den UTM-Koordinaten unseres Startpunktes einigen Anweisungen und einem ausgedruckte Landkarte vom Englischen Garten in München. Zurück im BoO waren die anderen schon bis zum Tor vorgefahren. Ich sprang rein, wir gaben die Koordinaten ins Navi ein und los ging es zur

SCHADENSTELE 9 – Aumeister

Um 12.35h stellten wir das Fahrzeug auf dem Parkplatz Aumeister ab. Dort wartete bereits ein TV-Team vom Bayrischen Rundfunk um unseren Start zu dokumentieren! Erst jetzt fiel mir auf, dass ich das Team bereits kurz vorher im OSOCC gesehen hab. Wir waren wirklich im Fernsehen!!!

Wir schauten auf die Karte, orientierten uns, Maria warf sich die sperrige San-Tasche über die Schulter, ich setzte mir den Rucksack mit der Abseilausrüstung auf den Buckel und starteten dann durch den Englischen Garten an der Isar entlang bis zum Wehr Oberföhring und dann weiter bis hinter die Brücke Isarring. Dort am Meldekopf angekommen nahm ich Kontakt zum OSC vor Ort auf um mir Informationen der Lage vor Ort zu holen. Wir mussten definitiv über die Isar, welche bereits beachtliches Hochwasser führte. Wir hatten die Wahl ob wir zurück, über die Brücke und dann auf der anderen Seite weiter gehen oder ob wir die Hilfe von Ortskundigen Germania-Einheimischen (THW) annehmen. Wir kamen nicht wirklich voran weil wir die Einheimischen nicht verstanden. Schließlich brachte uns dann Englisch auf einen Nenner und wir konnten uns austauschen. Diese wollten uns mit einem Schlauchboot und Außenborder auf die andere Seite übersetzen. Wir wägten alle Risiken ab und beschlossen uns in 2 Fahrten übersetzen zu lassen! Wir quetschten uns in die Schwimmwesten, Melly, Dusty und ich kletterten als erste ins Boot. Wir stießen uns mit den Paddeln vom Ufer ab und fingen alle, auch die „Germanier“, an wie irre zu rudern. Keine Chance! Die mörderische Strömung riss uns in kürzester Zeit weit von unserem Einstiegsort weg. Bis zum Wehr waren es gut 2 km und wir hätten es nicht mal bis zur Hälfte geschafft. Dann hätte es uns gnadenlos im Wehr zerrissen. Der „Chefgermanier“ warf den Außenborder an und mit Vollgas wühlte sich das Boot den Weg zurück und steuerte dann das gegenüber liegende Ufer der Isar an.

Wir kletterten mit Mühe aus dem Boot und hangelten uns an den Ufersträuchern entlang bis wir wieder sicher stehen konnten. Das Boot knatterte davon um Jürgen, Indira und Maria mit Capo zu holen.

Danach waren wir wieder auf uns allein gestellt. Unser Auftrag war das Gelände zu erkunden und dann Meldung an OSOCC zu machen. Gesagt getan. Danach mussten wir solange wie möglich auf der anderen Seite der Isar entlang laufen um zurück zum Auto zu kommen.

Dort nach ca.8km um 15.15 Uhr angekommen, pellten wir uns aus unseren von Regen uns Schweiß durchtränkten Jacken und Regenhosen! Wir waren echt „leicht“ erschöpft. Schnell wurden die Hunde trocken gerubbelt. Währenddessen füllten wir noch gemeinsam den Side-Report aus. Dort wurde die Einsatzzeit, Skizze der Örtlichkeit, Anzahl von Vermissten, Toten,  Verschütteten, Geborgene, Gefahren durch Gifte, sonstige Bemerkungen, die Koordinaten sowie die Postadresse!

Um 15.45 Uhr stand ich wieder im OSOCC und übergab stolz den ersten Laufzettel!

Ich hoffte auf eine kurze Pause doch „auf Kies gefurzt“! Sofort bekam ich den nächsten Zettel in die Hand gedrückt!

Feuer frei und auf in das nächste Abenteuer! Als ich dann im BoO ankam packten die anderen bereits die Hunde wieder aus und schauten leicht verwirrt als ich kein Funkgerät sondern einen Zettel in der Hand hatte. Es ist schwer zu glauben, dass man sich über ein Funkgerät auch freuen kann. Aber so ist das wirklich!!

Um 16.15 Uhr erreichten wir die SCHADENSTELLE 7 – HP-Bürogebäude in einem Industriegebiet vor München. Wir mussten noch 20 min warten weil ein anderes Team kurz vorher angekommen war und auch erst die Schadenstelle abarbeiten musste.

Um 16.35 Uhr fuhren wir vor dem Gebäude vor. Ich wieder in voller Montur, Helm auf, Handschuhe an, raus und mir den OSC vor Ort  geschnappt. Ich hatte 5 min für die Befragung. Dann 10 min um mein Team zu unterweisen und dann weitere 20 min für die Suche. Ich ratterte meinen Fragenkatalog runter. Es war Fakt, dass es bei dem Erdbeben nicht alle Personen aus dem Gebäude geschafft haben. Genaue Zahl ist unbekannt. Die Bude war sehr unübersichtlich und verschachtelt und es stellte sich heraus, dass in einem Durchgang von einem Raum zum anderen eine hoch ätzende und giftige Substanz auf dem Boden verteilt war. Ich holte mir Maria bei der Besichtigung zur Hilfe. Sie schloss die Tür um den suchenden Hunden keine Chance zu geben dort Kontakt zu  bekommen! Es gab durch Flatterband abgesperrte Bereiche welche die Hundeführer nicht betreten durften sondern nur der Hund.

16.50 Uhr, wir legten los. Maria suchte den rechten Trakt und den Eingangsbereich ab. Jürgen stürzte sich mit Indira in den linken Bereich. Melly wartete mit Dusty im Eingangsbereich um kurzfristig für die Sicherheitsanzeige starten zu können. Diese ist Pflicht wenn ein Hund anzeigt aber kein Opfer zu sehen ist. Dann kommt der zweite Hund zur Bestätigung.  Cappo schlug plötzlich Alarm! Eine Person hatte unter der Theke im Eingangsbereich Schutz gesucht und wurde eingeklemmt! Maria gab Meldung per Funk und ich meldete das an den OSC. Ich wartete im Eingangsbereich um dann dort hin zu laufen wo Hilfe benötigt wurde. Jürgen rief mich über Funk ich rannte los. Indira hatte sich auffällig verhalten (jimmeln und wedeln) in einem abgesperrten Bereich. Jürgen suchte weiter und ich holte Melly und Dusty um zu bestätigen. Dusty jedoch schnupperte auch intensiv an einem Schrank machte jedoch keine Anstalten etwas zu verbellen! Wir einigten uns darauf, dass dort nichts ist!! (vermutlich Restwitterung von einem für die vorherige Gruppe versteckten Opfer).

Ich fand in einem Flur eine lange Gerüstbohle, mir kam eine Idee! Melly suchte bis zu der Tür hinter welcher das Gift verstreut war. Ich bat Melly ihren Hund anzuleinen. Danach öffnete ich die Tür und legte die Bohl über die Substanz. Jetzt klemmte Melly ihren Hund unter den Arm und wanderte über die Bohle. Am Ende setzte sie Dusty wieder in die Suche. Ich wartete an der Bohle um Dusty im Fall der Fälle vom Gift abzuhalten.

Plötzlich fing Dusty an sich wie wild an einem Sideboard zu schaffen zu machen. Er bollerte vor  die Türe und dann war er sich sicher. Dusty bellte wie verrückt! Melly zog die Seitenwand beiseite, dort fanden wir dann eine weitere Person die hinter einem Schrank verschüttet war. Dusty suchte weiter und fand aber nichts mehr.

Die Zeit drängte. Jürgen und Maria durforsteten ein Zimmer nach dem andern. Fanden aber nichts mehr! 17.10 Uhr, die Zeit war rum und wir mussten aufhören.

Nach der Suche sagte uns der OSC das wir einen Raum im Foyer direkt neben dem Eingang nicht beachtet haben!! Wir ärgerten uns weil wir uns sicher waren das sonst keine Personen mehr im Gebäude sind. Außer der eine shit Raum!

Zur Siegerehrung bekamen wir eine Mappe mit Berichten zu jeder Schadenstelle. Hier hatten wir alle Verschütteten gefunden!!

Wir machten uns zum Auto, füllten den Side-Report aus und fuhren zurück.

17.35 Uhr war ich wieder im OSOCC, die anderen im BoO, um den Zettel abzugeben und dreimal durfte ich raten à richtig wieder direkt der nächste Einsatz!

Um 18.00 Uhr kamen wir an der SCHADENSTELLE 9 – Bahnhofsgebäude (THW-Gelände) an. Auch hier mussten wir auf eine andere Gruppe, welche sich noch im Einsatz befand, warten.

18.20 Uhr gings los. Neben mir steht wieder der Bayrische Rundfunk. Dieses mal ein Mädchen welches ein Interview für eine Kinderradiosendung führen will. Nun denn.

Das Infozentrum des Bahnhofs ist bei dem Beben eingestürzt und nur über einen Turm erreichbar. Es können auch hier keine Angaben zur Anzahl von Vermissten gemacht werden. Es schüttet wie aus Eimern.

Hier muss ein Team angeseilt und dann von den anderen Mitgliedern auf den Turm hochgezogen werden. Oben übernimmt das THW den Hundeführer mit Hund und seilt die beiden dann wieder im Turm ab. Währenddessen müssen die beiden anderen Hundeführer sich auf den Weg hinter das Bahnhofsgebäude machen. Dort ist eine Freifläche abzusuchen. Diese darf nicht betreten werden weil unter dem Gelände der U-Bahnhof liegt. Es ist nicht bekannt ob die Oberfläche einstürzt. Auf dieser Freifläche ist eine große Werkstatthalle. Auch hier ist unbekannt ob dort Türen oder Fenster offen stehen und ob sich dort noch Personen befinden.

Maria und Cappo steigen in das Gurtzeug und lassen sich abseilen. Der Regen läuft oben in ihre Jacke rein und unten aus der Hose wieder raus. Jürgen und Melly kümmern sich mit ihren Hunden um die Fläche hinter dem Bahnhof.

 Unten angekommen beginnt für alle Teams die 20 Minütige Suchzeit. Cappo flitzt los und wuselt sich trittsicher durch die Betonklötze, Rohre und Baustahldrähte. Er sucht und sucht, Maria schickt ihn kontrolliert von einer Ecke in die andere.

Mir werden Löcher in den Bauch gefragt.

 Jürgen schnauft über Funk.

„Anzeige hinter der Werkstatt!“ Ich höre wie Indira voller Power bellt.

Ich renne los, um das Bahnhofsgebäude, erst jetzt sehe ich die riesige Freifläche. WOW … Gute 100m mussten die Hunde geschickt werden um hinter die Halle zu kommen.

Indira bellte wie wild. Sehr Geil, in einem Container hinter der Halle hatte sie ein Opfer gefunden! Dusty suchte weiter auf der anderen Seite der Halle. Da war die Zeit auch schon um. Wir gingen zurück zum Trümmerkegel und Madame Radio sabbelte und sabbelte. Erschöpft und durchtränkt ging es zurück zum Auto, Side-Report ausfüllen, ab zum OSOCC. Es stellte sich heraus, dass wir auch hier alle vermissten Personen gefunden hatten!

Um 20.25h „schwamm“ ich ins OSOCC. Und nahm, unglaublich, ein Funkgerät in Empfang!!!

Wir rubbelten die Hunde und uns trocken, kochten Kaffee und fuhren unsere Aufregung runter. Das Funkgerät immer in Griffnähe.

Um 22.45h krächzte die Funke und orderte alle Teamleader  ins OSOCC zum Briefing. Hier gab die Orga eine Kurze Lageinfo.

  • Die Übung liegt just in time,
  • Unwetterwarnung mit Regen von über 150L/qm
  • Schadenstellen Kiesgrube Allershausen und der Parkplatz Aumeister sind überflutet.
  • OSOCC darf jetzt mit KFZ angefahren werden – Gottseidank!!
  • Es sind noch Nachtsuchen geplant

 23.15h bin ich zurück im BoO und gebe die Infos an das Team weiter. Ich lege das Funkgerät neben mein Kopfkissen, schieße meine Stiefel unter mein Feldbett und krabbel erschöpft in meinen Schlafsack.

 Die Funke muckt einige Male auf aber von TEAM 13 war nichts zu hören.

 .... Teil 3 wird bald folgen Zwinkernd